Wegrainwissen
Biotopverbund
Die Zerschneidung der Landschaft infolge von Flächenversiegelung und intensiver Landwirtschaft ist ein wesentlicher Grund für den Verlust von Lebensräumen und den Rückgang der biologischen Vielfalt. Um dem entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung im Jahre 2002 den Biotopverbund im Bundesnaturschutzgesetz (§ 20/21 BNatSchG) verankert und damit zur gesetzlichen Pflichtaufgabe gemacht.
Biotopverbünde fördern die Artenvielfalt
- Straßen, Äcker und Siedlungen wirken wie Barrieren, die es vielen Arten unmöglich machen, ihren Lebensraum zu verlassen oder zwischen Futterplätzen und Brutplätzen zu wechseln.
- Der Biotopverbund schafft funktionale Verbindungskorridore (z. B. in Form von Wegrainen, Hecken, Gewässerrandstreifen) zwischen isolierten Lebensräumen (Biotopresten).
- Der Biotopverbund ermöglicht es Tieren, zwischen Nahrungsquellen und Fortpflanzungsstätten zu wechseln, und bietet sichere Wege für die tägliche oder saisonale Wanderung.

Foto Gerhard Wilhelm
- Wenn Populationen in kleinen, isolierten Biotopen gefangen sind, führt dies auf Dauer zu Inzucht und zu einer Verringerung der genetischen Vielfalt und Vitalität.
- Der Verbund ermöglicht also den genetischen Austausch zwischen verschiedenen Populationen. Dies führt zu widerstandsfähigeren und stabileren Populationen, die besser auf Umweltveränderungen, Krankheiten oder klimatische Veränderungen reagieren können.

Foto Gerhard Wilhelm
- Durch die Vernetzung können Arten nach lokalen Störungen oder dem Aussterben in einem Teilbiotop diesen Bereich von einem anderen, benachbarten Biotop aus neu besiedeln.
- Die Schaffung von Verbundelementen (z. B. Trocken-, Feucht- und Gehölzstrukturen) erhöht die strukturelle und ökologische Vielfalt in der gesamten Landschaft. Bestehende Biotopreste in der Landschaft werden vernetzt und Trocken-, Feucht- und Gehölzstrukturen werden neu geschaffen.


Biotopverbünde mindern die Folgen des Klimawandels
Die wichtigste Funktion ist die Unterstützung der Migration (Wanderung) von Tier- und Pflanzenarten als Reaktion auf steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster.
- Viele Arten müssen ihre Verbreitungsgebiete in kühlere Regionen (nach Norden oder in höhere Lagen) verlagern, um zu überleben.
- Ein funktionierender Biotopverbund stellt Verbindungskorridore und sogenannte „Trittsteinbiotope“ bereit, die den Arten ermöglichen, Barrieren zu überwinden und neue, geeignete Lebensräume zu erreichen.
- Ohne diese Korridore wären viele Populationen in ihren isolierten und fragmentierten Lebensräumen gefangen und würden aussterben, wenn sich die klimatischen Bedingungen vor Ort verschlechtern.

Foto Georg Wilhelm
Ein vernetztes Ökosystem ist grundsätzlich widerstandsfähiger (resilienter) gegenüber Störungen, die durch extreme Wetterereignisse verstärkt werden.
- Der Biotopverbund fördert den genetischen Austausch zwischen Populationen. Eine größere genetische Vielfalt erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass innerhalb der Art Individuen existieren, die besser an veränderte Klimabedingungen (z. B. Trockenheit, Hitze) angepasst sind.
- Unterschiedlich strukturierte und vernetzte Habitate (wie Feucht- und Trockenbiotope, Hecken und Wälder) können als Puffer wirken und extreme lokale Temperaturschwankungen abmildern oder Schutz bei Starkregenereignissen bieten.

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- Verbundsysteme, insbesondere die Einbindung von Gewässerrandstreifen und Feuchtbiotopen, tragen zur Rückhaltung von Regenwasser bei. Dies ist wichtig, um die Folgen von Dürreperioden abzumildern und bei Starkregenereignissen Überschwemmungen zu verhindern.
- Lineare Verbundelemente wie Hecken, Bäume und bewachsene Wegränder reduzieren die Winderosion und verhindern den Oberflächenabfluss von Wasser und Boden, was besonders bei klimatisch bedingten Extremwetterlagen wichtig ist.


Warum Wegraine
Was sind Wegraine?
Als Wegraine werden schmale, lineare, mit gras- und krautartigen Pflanzen bewachsene und überwiegend gehölzfreie Säume bezeichnet, die zwischen landwirtschaftlichen Nutzflächen oder an deren Rand liegen. Sie gehören meistens zum Wegeflurstück und damit eigentumsrechtlich der Gemeinde. Die Begriffe Acker-, Weg- oder Feldrain sowie Wegrand oder Wegsaum werden oft synonym verwendet.

Foto Gerhard Wilhelm
Warum sind Wegraine wichtig?
Wegraine dienen vielen Pflanzen, Insekten, Kleinsäugern und Vögeln als Nahrungsquelle, Fortpflanzungs- und Überwinterungsorte. Da viele Arten auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen, die früher zu ihrem Lebensraum gehörten, heute keine günstigen Bedingungen mehr vorfinden, haben sie sich auf die Wegraine zurückgezogen. Wenn diese ökologisch intakt sind, sind sie aufgrund ihrer linearen Struktur wichtige Verbindungskorridore zwischen verbliebenen Biotopresten und haben damit eine immense Bedeutung für den Biotopverbund.

Worauf kommt es bei der Pflege von Wegrainen an?
Um die wichtige ökologische Funktion der Wegraine zu bewahren, muss die Pflege nach naturschutzfachlichen Gesichtspunkten erfolgen. Das regelt insbesondere das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG).
Die wichtigsten Kriterien für eine nachhaltige Pflege betreffen die Mahdtechnik, den Mahdzeitpunkt und die Entfernung des Schnittgutes.
Das oberste Gebot lautet: „So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig.“ Ziel ist die Aushagerung des Bodens, um blütenreiche Krautarten zu fördern, und gleichzeitig der Schutz der Tierwelt. Für die meisten Wegraine bedeutet dies nicht weniger, sondern mehr Mahd als bisher.
- Im Zusammenhang mit der Mahd ist das Abräumen und Abtransportieren des Schnittguts unbedingt notwendig, um Licht an den Boden kommen zu lassen. Das verschafftt den Blütenpflanzen gute Keim- und Wachstumsbedingungen und einen Konkurrenzvorteil gegenüber starkwachsenden Gräsern, die mit ihrem Filz bislang die Blütenpflanzen unterdrücken.
- Außerdem wirkt das Abräumen einer Nährstoffanreicherung entgegen, so dass sich nach und nach ein für die Wildblumen günstiger nährstoffarmer Standort entwickeln kann.
- Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen sollten Mahd und Abtransport in einem Arbeitsgang erfolgen. Die dazu geeignete Technik ist auf den Höfen meist nicht (mehr) vorhanden. Sie zu organisieren ist wichtiger Teil des Landschaftswege-Projektes.
- Das Mahdgut ist zur landwirtschaftlichen Verwertung nur bedingt geeignet, da es Unkrautsamen (Jakobs-Greiskraut) und Verunreinigungen (Glasscherben, Hundekot, Zigarettenstummel) enthalten kann. Es muss daher entsorgt oder anderweitig sinnvoll verwertet werden. Hierzu kommen Grüngutplätze des Landkreises oder eine Flächenkompostierung in Frage.

Ein sorgfältig abgestimmter Mahdzeitpunkt ist entscheidend für Vielfalt der Pflanzen und ein kontinuierliches Blütenangebot für Insekten, wovon wiederum Vögel und Kleinsäuger profitieren.
- Um Gräser einzudämmen und die Vielfalt blütenreicher Kräuter zu erhöhen, wird ein Wegrand bereits im Frühling zur ersten Grasblüte zwischen Mitte Mai und Mitte Juni gemäht, wenn auch die erste Futtermahd auf dem Grünland erfolgt.
- Der andere Wegrand wird 6-8 Wochen später zum Hochsommer im Juli/August gemäht, nachdem die Blütenpflanzen ausgesamt haben. Jetzt hat der zuerst gemähte Wegrain wieder Blüten entwickelt, so dass die Insekten ausweichen können.
- Unzugängliche Böschungen, Bereiche zwischen Sträuchern sowie schmale Streifen entlang der Raine bleiben als ungemähte Brache stehen, die Insekten als Winterquartier und Säugetieren als Deckung dienen.
- Beste Tageszeit: Mittags ist die beste Zeit zum Mähen, da Insekten bei sonnigem Wetter am mobilsten sind und besser ausweichen können.

- Balkenmäher gelten als besonders insektenschonende Technik, da sie keinen Sog entwickeln und die Tiere durch die geringere Mähgeschwindigkeit kaum geschädigt werden. Aber auch andere Mähwerke können schonend eingesetzt werden, indem vor dem Mähwerk sog. Insektenscheuchen montiert werden.
- Im Projekt Landschaftswege setzen wir anfangs auch Schlegelhäcksler ein, die zwar für Insekten ungünstig sind, aber arbeitswirtschaftlich einen Einstieg in die Wegrandpflege ermöglichen, bis die Anschaffung besserer Technik finanzierbar wird. Wir gehen dabei davon aus, dass die Insektenwelt von gestaffelten Mahdterminen und Abfuhr des Mahdgutes stärker profitiert als dass sie unter der suboptimalen Mahdtechnik leidet.
- Eine Schnitthöhe von mindestens 10 cm (besser 15 cm) wird empfohlen, um am Boden lebende Insekten, Kleinsäuger und Amphibien zu schützen.
- In der Brut- und Setzzeit bis zum 15. Juli braucht es für die Mahd auf nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen wie Wegrainen die Zustimmung der Naturschutzbehörde. Besonderes Augenmerk gilt Rehkitzen, die dort vielleicht von den Muttertieren vor der Grünlandmahnd in Sicherheit gebracht wurden.


Foto Gerhard Wilhelm

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Kennarten
Kennarten sind bestimmte Pflanzenarten und -gruppen, die uns helfen, den ökologischen Zustand von Wegrainen zu bewerten. Anhand der kompakten Bestimmungshilfe des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) können die 32 Kennarten des artenreichen Grünlands wie Schafgarbe, Flockenblume, Wegwarte und Margerite anhand von Bildern und Beschreibungen einfach und sicher bestimmt werden.




Rechtliche Grundlagen
Der Schutz von Wegrainen als Biotope ist insbesondere im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) festgeschrieben. Hier sind die wichtigsten Paragrafen:
- (1) Jeder soll nach seinen Möglichkeiten zur Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege beitragen und sich so verhalten, dass Natur und Landschaft nicht mehr als nach den Umständen unvermeidbar beeinträchtigt werden.
- (4) Bei der Bewirtschaftung von Grundflächen im Eigentum oder Besitz der öffentlichen Hand sollen die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege in besonderer Weise berücksichtigt werden.
- (1) Es wird ein Netz verbundener Biotope (Biotopverbund) geschaffen, das mindestens 10 Prozent der Fläche eines jeden Landes umfassen soll.
- (1) Der Biotopverbund dient der dauerhaften Sicherung der Populationen wild lebender Tiere und Pflanzen einschließlich ihrer Lebensstätten, Biotope und Lebensgemeinschaften sowie der Bewahrung, Wiederherstellung und Entwicklung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen. Er soll auch zur Verbesserung des Zusammenhangs des Netzes „Natura 2000“ beitragen.
- (6) Auf regionaler Ebene sind insbesondere in von der Landwirtschaft geprägten Landschaften zur Vernetzung von Biotopen erforderliche lineare und punktförmige Elemente, insbesondere Hecken und Feldraine sowie Trittsteinbiotope, zu erhalten und dort, wo sie nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind, zu schaffen (Biotopvernetzung).
In Niedersachsen wurden die Bestimmungen des BNatSchG durch das Niedersächsische Naturschutzgesetz (NNatSchG) erweitert:
- (1) Ergänzend zu § 20 Abs. 1 BNatSchG soll der Biotopverbund
1. weitere fünf Prozent der Landesfläche und
2. zehn Prozent der Offenlandfläche des Landes umfassen. - (2) Er ist bis zum Ablauf des 31. Dezember 2023 zu schaffen.
Ja, davon sind wir leider noch weit entfernt…! Aber besser spät als nie – lasst uns in Gang kommen.

Wie kann ich Euch finanziell unterstützen?
Als gemeinnützige Organisation freuen wir uns über Spenden für unsere Biotop-Arbeit auf unser Spendenkonto bei der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg:
Landschaftswege BV gGmbH
IBAN DE61 2585 0110 0230 8397 63
Wenn die Spende für ein konkretes Dorfprojekt gedacht ist, bitte als Verwendungszweck das Dorf nennen, z. B. „Spende Biotopverbund Prießeck“. So können wir die Mittel zuordnen. Ansonsten einfach „Spende Naturschutz und Landschaftspflege“.
Spenden zu diesem Zweck können bis zu einer Höhe von 20 % des Gesamtbetrages der Einkünfte als Sonderausgaben abgezogen werden. Bei Spenden bis 300 Euro genügt dazu der Zahlungsbeleg oder der Kontoauszug. Bei größeren Spenden (und auf Wunsch auch bei allen Spenden) bitte Namen und Adresse im Verwendungszweck vermerken, damit wir die Spendenbescheinigung zuschicken können.
Die Landschaftswege BV gGmbH wurde mit vorläufigem § 60a-Bescheid des Finanzamts Uelzen vom 29.10.2025 als gemeinnützig anerkannt.
Oder nutze direkt unsere Spendenbox:
Aktuelles aus dem Projekt
Einblicke in laufende Dorfprojekte, Termine und Entwicklungen rund um blühende Wege und lebendige Landschaften.
Förderprojekt Landschaftswege
Im Projekt “Landschaftswege – Biotopverbund gemeinsam entwickeln” wollen wir Strukturen entwickeln und umsetzen, mit
Unsere neue Website ist online
Wir freuen uns, dass die neue Website von Landschaftswege nun online ist. Ab sofort


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